Vom 14. - 21. Juni 2025 ging es für uns (Angelika, Dirk, Dennis, Anna-Lena und Katrin) nach Ramsau an den Dachstein, um unter Leitung von Tanja und Unterstützung von Jannek einen Einstieg in die beeindruckende Welt der Klettersteige zu erleben.
Quartier bezogen wir in der gemütlichen Ferienwohnung Steinerweg im Haus Montanara in Ramsau-Schildlehen, ideal an der Bushaltestelle der Dachstein-Mautstraße gelegen. Dank der inkludierten Dachstein-Sommercard, ist dort die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und einmalig der Dachstein-Gletscherbahn kostenlos möglich.
Am Sonntag ging es nach einem Ausrüstungscheck bei hochsommerlichen Temperaturen zum Sattelberg, wo uns Kali, Kala und Kalo erwarteten – ein Familienklettersteiggebiet, das unterschiedlichsten Fähigkeiten von B bis C/D gerecht wird. Nach dem Klären grundlegender Verhaltensregeln und einiger technischer Hinweise ging es über „Kala“ ca. 150 Hm hinauf, wobei wir aufgrund der Wärme und ungewohnten Bewegungen schon gut ins Schnaufen kamen… Glücklich oben angekommen, hatte Tanja einen guten Eindruck von unseren Fähigkeiten erhalten.
Aufgrund der zunehmenden Gewitterneigung entschieden wir, den Nachmittag mit einer Busfahrt zur Dachsteinbahn-Talstation und von dort aus mit einer Almen Wanderung unter der Dachstein-Südwand (natürlich mit genussvoller Einkehr) zu verbringen.
Das Gewittergebiet kam erst am Abend und in der Nacht und der Dienstag begrüßte uns regnerisch und wolkenverhangen, so dass sich das Frühstück etwas ausdehnte, ehe wir uns auf den Weg nach Kleinarl machten. Dort beschäftigten wir uns ausgiebig im örtlichen Sportgeschäft, bis die Witterung einen Start mit Regenjacken zuließ.
Der Familienklettersteig (A/B) war zwar sehr leicht, aber durch den nassen Fels und Boden auch eine interessante Erfahrung. Anschließend bewältigte ein Teil der Gruppe noch den Kesselfall-Klettersteig (B/C), der durch die Schlucht, meist in Gischtweite des Wassers, über zwei kurze Seilbrücken, über die beeindruckenden Wasserfälle des Kesselbachs, entlang der rutschigen Felswände nach oben führte. Ein Tag mit ganz anderem Charakter und interessanten Erfahrungen, der mit guter steierischer Küche ausgewertet wurde.
Damit war der Tag jedoch noch nicht zu Ende. Am Abend übergab uns Tanja die Tourenplanung für den nächsten Tag am Stoderzinken. Da hieß es Klettersteig-Topos lesen lernen, Höhen, Gehzeiten, Schwierigkeiten einschätzen lernen, Wetterprognose checken, Fahrzeit planen...
Freundliches, stabiles Wetter und Vogelgezwitscher weckten uns am Dienstagmorgen und zügig ging es zum Stoderzinken. Der Klettersteig Franz (B/C) mit 150 Hm und rund 300 Klettermetern der Längste dort, war unser Ziel. Ein abwechslungsreicher Steig, in dem wir erfuhren, was ein Spreizschritt und ein „Magic Mushroom“ sind, der aber durch seine Länge eine konditionelle Herausforderung für einige von uns darstellte. Alles in allem aber landschaftlich sehr interessant mit wunderbarem Bergpanorama und Dank der „Peakfinder-App“ auch ein Blick auf den Ankogel bot, hinter dem wir die Mindener Hütte wussten. Als wir auf dem Rückweg noch einen kleinen Abstecher über den Klettersteig David zur Hängebrücke machten, fiel Tanja „plötzlich“ ein, dass wir diesen Abschnitt unmöglich bewältigen können und uns über ein Felsstück abseilen müssten. So kamen dann auch der Seilsack, die geübten Knoten und die Kurzprusik zum Einsatz.
Da sowohl Wetter als auch Sicht für den Mittwoch stabil vorhergesagt waren, starteten wir sehr früh mit der Gletscherbahn in Richtung Dachstein, um den Koppenkarstein-Westgrat-Klettersteig (B/C) zu gehen. Auf dem Balkon der Gondel kamen wir schnell nach oben, wo uns etwas dünnere Luft, aber ein traumhaftes Panorama erwarteten. Die Höhe des Einstiegs des Klettersteiges zeigte an, wie weit der Gletscher in den letzten Jahren zurückgegangen war. Dieser Steig hat wieder einen völlig anderen Charakter, ein alpiner Steig, der eher durch Länge, Landschaft und Ausblick begeistert und nicht so sehr durch steile Wände herausfordert. Ein Teil der Gruppe blieb auf dem kleinen Koppenkarstein, während die anderen den ganzen Steig bis zum Gipfel des großen Koppenkarsteins bewältigten. Auf dem gleichen Weg ging es dann zurück und mit der Gondel nach unten, wo eine Einkehr auf der Walcheralm die Tour abrundete.
Am Donnerstag ließen wir es etwas ruhiger angehen. Der Weg führte uns noch einmal zum Sattelberg zum Kalo-Klettersteig. Dieses Mal stand das Nachsichern von Personen, insbesondere Kindern, im Fokus. Erst an einem Handlauf des Wanderwegs von Tanja gut erklärt und geübt, dann über eine andere Variante des Steiges nach oben und -wer wollte- konnte dort mit „Kind Jannek“ in einer steilen Stelle das Nachsichern üben.
Da es inzwischen wieder sehr warm war, besuchten wir am Nachmittag die Silberkarklamm, in der wir uns Abkühlung erhofften. Die schweren Klettersteige dort schauten wir uns nur respektvoll an und wählten den Fußweg zur Silberkarhütte. Zum Abschluss des Tages ging es noch eine Runde auf die Sommerrodelbahn am Rittisberg (auch in der Sommercard), bei der ausprobiert wurde, ob man wirklich die ganze Strecke ohne Bremsen mit Vollgas fahren kann – man kann es!
Für Freitag war zwar stabil trockenes, aber bedecktes Wetter angesagt, so dass die Berggipfel in den Wolken steckten. So entschieden wir uns für den Laserer-Alpin-Klettersteig (C) am vorderen Gosausee, der zwar mit 60 Hm nicht sehr hoch, aber dafür direkt über dem Wasser des Sees fast horizontal mit ca.420 Klettermetern verläuft. Nach der Querung nutzten zwei von uns den Ausstieg am Wanderweg, während die anderen über eine freihängende Himmelsleiter, über den plattigen Dachsteinkalk mit Blick auf den Gosaugletscher (der sich meist hinter Wolken versteckte) die große Runde über die Seilbrücke vervollständigten. Gemeinsam wanderten wir noch eine Runde um den See, an dessen hinterem Ende man dem Touristentrubel entgehen und ein erfrischendes Fußbad nehmen konnte.
Der Rückweg nach Ramsau ließ dann schon ein wenig Abschiedsstimmung aufkommen. An dieser Stelle aber erst mal ein dickes Dankeschön an Dennis, der uns mit seinem VW-Bus die ganze Woche als gesamte Gruppe zu den Klettersteigen gefahren hat (im Regen sogar den Bus geholt). Das war richtiger Luxus!
Eine tolle Woche wird uns allen in Erinnerung bleiben, in der wir gemeinsam viel gelacht, jeder seine Fähigkeiten und Grenzen kennengelernt und vielleicht ein bisschen verschoben hat, unglaublich viel gelernt haben (z.B. Nudelsuppe geht bei jeder Temperatur; den meisten echten Schlangen begegnet man in der Hütte unterm Tisch; Gummibärchen gibt es nicht immer vor den schwierigen Stellen; man kann mit Kaulquappen kraulen und andere Reime in Gipfelbücher schreiben...).
Ein ganz herzliches Dankeschön an Tanja und Jannek für die super Planung und die Top-Unterstützung in den Steigen, die uns allen einen Einblick in die Vielfalt der Klettersteige ermöglicht und eine wunderbare Bergwoche erleben lassen hat.
Katrin Schröder